Der
gourmetleiter
ist nicht erst ein Wutbürger, seit das hierzulande (vor einer Woche)
schick geworden
ist. Nein, er war immer schon als Baby ein kleiner Zornbinkel,
der sich über alles aufpudeln konnte. Ganz besonders übers Essen.
Alles was nach Fleisch roch oder aussah, wurde konsequent
ausgespuckt. “Meine
Damen und Herren, ich bin Vegetarier!“
konnte er damals aber noch nicht sagen. Blieb also nur spucken. Zwei
Lebensjahrzehnte später rieb er sich die Hände: Die BSE-Crisis 1996
bestätigte die damalige vorausschauende Weltsicht mit Schnuller.
| Der gourmetleiter als kleiner Zornbinkel (Bild: Privat) |
Um
auf Nummer sicher zu gehen, schwörte der pubertierende
Pflanzenfresser fortan auf die Devise “alles Bio“. “Eitle
Wonnenmaximierungsstrategie“ nannte er das mal in einem
Deutsch-Aufsatz und fand seine Wortkreation gelungen. (Der Lehrer
weniger, er setzte eine rote Wellenlinie - Ausdruck! - drunter.) Die
schönen Bio-Zertifikate und Gütesiegel verzückten den
gourmetleiter. Wenn er “Nativ extra“ sagte, begann sein
damaliges Pickelface zu strahlen. (Hätte der Deutschlehrer doch auch
hier eine rote Welle hineingekritzelt und dazugesagt: Naiv extra... )
Irgendwann
verdiente der gourmetleiter mit seiner Schreibe richtiges
Geld. Und weil Bio immer ein bissi teurer ist, machte er fortan
fleißig Überstunden, spielte Lotto, fladerte bei seiner Oma
undsoweiterundsoweiter, um von allem immer die Biovariante zu
erstehen. Die Freude währte nicht lange. Irgendwann hat der
gourmetleiter nämlich bemerkt, dass
Biofuzzis wie er ganz besonders im “Hamsterrad“ der
Nahrungsmittelmarketingtrotteleien laufen, um es mit Roland Düringer
zu sagen. Und da hat sich auch der gourmetleiter seiner
frühkindlichen Zornbinkeligkeit besonnen und ist “ein bissi
wütend“ geworden.
Sie
wissen nicht, was ich meine? Ich denke dabei z.B. an den
Olivenöl-Test
des Magazins KONSUMENT
(11/2011),
der zu dem Ergebnis kam, dass das Qualitätsgütesiegel “Nativ
extra“ eine ziemliche Platitüde ist : “Wo
nativ extra auf der Flasche steht, ist noch lange kein Öl der
Spitzenklasse drin.“
Ganz besonders erschreckend fand der gourmetleiter
dabei,
dass auch hochpreisige Produkte, die mit BIO werben, ganz schlecht
abgeschnitten haben. Auch Meldungen wie diese
zu Bio-Soja
sind nicht gerade dazu angetan, dass das Präfix “Bio-“ noch
lange positiv konnotiert sein sollte. Das sind nur zwei Beispiele
unter vielen, die sich hier anführen ließen. Vielleicht wird Bio
irgendwann mal zum Schimpfwort: “Du bist ja voll Bio im Schädel...“
Unverdient wäre es nicht.
| Bio-Soja - ein Fall für den Sondermüll? (Bild: Benjamin Klack / pixelio.de) |
Dass
Konsumenten wie der gourmetleiter, die blöd genug sind,
Ernährungstabellen u.a. zu studieren, um bewusst zu fressen was sie
fressen, am Ende überproportional
verarscht werden (bzw. sich überproportional verarscht fühlen
müssen), ist schon eine besondere Perfidie. Verarscht von Leuten,
die sich durch feine Tricks noch höhere Gewinnspannen versprechen
(“die Trotteln zahlen ja eh gerne mehr, hoho“), zeigt wohl vor
allem eines: dass es nämlich an der Zeit ist, mache
Lebensmittelindustrien einmal wutbürgerlich unter die Lupe zu
nehmen! Und das meine ich jetzt so unironisch wie Roland
Düringer seinen Auftritt. Ganz im Ernst. Echt.
Wenn
Sie wissen, wie der gourmetleiter schreibt, wenn er in das
Kostüm des medienleiters schlüpft, und sich Roland Düringers
Wutrede analytisch zur Brust nimmt, dann erlaube ich mir, Sie auf
diesen beiden Texte zu verweisen:



